New Work und Architektur: Innovative Lösungen sind gefragt

Inneneinrichtung und Messebau in Heinsberg

New Work und Architektur: Innovative Lösungen sind gefragt

Messebau Inneneinrichtung Heinsberg

Veraltete, klassische Arbeitsstrukturen weichen flexiblen Konzepten nach dem Vorbild der New Work-Bewegung: New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Dafür brauchen Unternehmen aber auch entsprechende Lösungen in der Arbeitsplatzgestaltung und der allgemeinen Raumkonzeption. Denn New Work und Architektur hängen eng zusammen. 

Von Diplom-Architekt Marcel Schuckel, Geschäftsführer Dr. Holzinger GmbH

Unsere Welt des 21. Jahrhunderts ist von globalen Trends bestimmt. Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind wohl die wichtigsten Treiber der aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Diskussion und prägen die Weiterentwicklung von Strukturen und Prozessen, auch, aber nicht nur in Unternehmen. Ein Bereich, der mehr und mehr an Wichtigkeit zunimmt, ist für Unternehmen zudem die Gestaltung der Arbeitsplätze. New Work ist das Stichwort dafür. Darunter versteht man, dem österreichisch-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann folgend, das Konzept der „Neuen Arbeit“. Diese Bezeichnung ergibt sich aus der heutigen Konsequenz der Globalisierung und Digitalisierung und der Frage, welche Auswirkungen diese Konsequenzen auf die Arbeitswelt haben.

New Work stellt die Potenzialentfaltung in den Mittelpunkt

Nach der Definition des bekannten Zukunftsinstituts wird New Work folgendermaßen definiert: „Die Digitalisierung wirft den Menschen auf sein Menschsein zurück – vor allem im Arbeitsleben. Wenn Maschinen künftig bestimmte Arbeiten besser verrichten können als der Mensch, beginnen wir, über den Sinn der Arbeit nachzudenken. Wenn die Arbeit uns nicht mehr braucht, wofür brauchen wir dann die Arbeit? New Work beschreibt einen epochalen Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft. New Work stellt die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Denn Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.“

Mehr Flexibilität in der Arbeitsplatzgestaltung

Da sich die Gesellschaft im Wandel laut der Definition des Portals Gründerszene von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft befinde, sehe die Arbeitswelt sich vor dem Hintergrund des neuen Wertewandels zu einer freien Arbeitsweise gezwungen, sich anzupassen. Die veralteten, klassischen Arbeitsstrukturen würden sich somit im Zuge des neuen Zeitalters zu weicheren, flexibleren Vorstellungen wandeln, Arbeitsräume und sogar Unternehmensstrukturen würden der sogenannten Arbeitswelt 4.0 nach dem Vorbild der New Work-Bewegung angepasst. 

Durch die zeitliche, räumliche und organisatorische Flexibilität in der Arbeitsplatzgestaltung ergäben sich neue Chancen für Unternehmen in Zeiten der umfassenden Globalisierung und Digitalisierung: „Die zentralen Werte des Konzepts von New Work sind die Selbstständigkeit, die Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft. New Work soll neue Wege von Freiräumen für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit bieten und somit etwas wirklich Wesentliches und Wichtiges zum Arbeitsmarkt beitragen. Auf diese Weise wird echte ‚Handlungsfreiheit‘ ermöglicht.“ 

Architektur hilft, New Work-Konzepte in Unternehmen zu etablieren

New Work ist natürlich zunächst eine Frage der Führung, der generellen strategischen und konzeptionellen Ausrichtung eines Unternehmens und der Bereitschaft der Mitarbeiter. New Work lässt sich weder von oben verordnen noch einfach nebenher auf Arbeitsebene umsetzen. Es ist ein fundamentaler Wandel im Verständnis der Arbeitsplatzgestaltung und dem Einsatz von Mitarbeitern nötig, um New Work wirklich durchzusetzen. Aber genauso ist eine neue Architektur wichtig, um New Work-Konzepte in Unternehmen zu etablieren. 

Ein Stichwort: Open Workspace. Forscher der California Polytechnic State University beispielsweise haben herausgefunden, dass offene Büroumgebungen den persönlichen Austausch zwischen Mitarbeitern erhöhen. Dieser intensive Informations- und Ideenaustausch führt dazu, dass sich die Kreativität von Teams erhöht und die Innovationsfähigkeit verbessert wird. Der Hintergrund: Klassische Formen des Arbeitsplatzes wie Einzel- oder Doppelbüro und separate Räume für Gespräche und größere Meetings sind im Sinne der (digitalen) Kollaboration für die Zukunft kaum gerüstet und konkurrenzfähig. Daher muss sich moderne Büroarchitektur immer auch den Aspekten des New Work widmen, um echte, nachhaltige Ergebnisse zu erreichen.

New Work heißt Open Workspace-Architektur

Die Gestaltung eines Arbeitsplatzes der Zukunft sieht unter der Open Workspace-Prämisse unter anderem die Fokussierung auf den Mitarbeiter vor. Dieser soll bei der Auswahl der Arbeitsmittel und der Gestaltung der Arbeitsumgebung mitwirken, und genauso sollte der Mitarbeiter durch die Open Space-Konzept auch in Gesundheit und Motivation gefördert werden. Der Arbeitsraum wird als Angebot zur produktiven und kollaborativen Arbeit verstanden, sodass die Mitarbeiter durch den ständigen Austausch mit den Kollegen wortwörtlich in Bewegung gebracht werden. Zudem können eine gesundheitsfördernde Farb- und Lichtgestaltung in einem durchdachten Open Space-Konzept innovativ und erfolgreich angepackt werden. Mit einem klassischen Bürodesign mit abgeschotteten Räumen und Arbeitsplätzen, schwerem Holz und wuchtigen Möbeln ist das kaum möglich. Eine frische, junge Architektur ist gefragt, die dabei die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt aufnimmt und Lösungen dafür schafft, dass sich New Work verbreiten kann.

Digitalisierung spielt im New Work eine herausragende Rolle. Dem müssen Arbeitsplatzgestaltung, Architektur und Raumkonzeption gerecht werden.

Dadurch ist es auch möglich, Themen wie Energieeffizienz und Nachhaltigkeit zukunftsweisend zu steuern. Der Einsatz Licht und Heizung können beispielsweise von der Belegung der verschiedenen Arbeitsplätze abhängig gemacht: Ist eine Arbeitsinsel nicht besetzt, wird sie auch nicht beleuchtet und beheizt, währenddessen die dauerhaft genutzten Kommunikationsinseln kontinuierlich versorgt werden können. Im Rahmen einer architektonischen Neustrukturierung können Unternehmen natürlich auch im Sinne der Smart Office-Technologie besser vernetzt werden. Apropos Insellösungen: Multifunktionalität ist der entscheidende Faktor in der New Work-Gestaltung, der auch Ruhezonen und Gesprächszonen berücksichtigt. Diese Orte werden der jeweiligen Arbeitssituation und dann Arbeitsanforderung entsprechend gestaltet. Auf diese Weise ergibt sich für die Mitarbeiter ein hoher Grad an Unabhängigkeit bei der Erledigung seiner Aufgaben, aber genauso werden die Anforderungen der Unternehmen hinsichtlich Effizienz und Motivation gefördert.

Sinnstiftende Funktion der Arbeit

In diesem Kontext sind Unternehmen natürlich auch gefragt, sich durch die Raumkonzeption und das Innendesign auf diese neue, hochkommunikative Arbeitswelt einzustellen. New Work, die neue Arbeit, soll das Mittel sein, mit dem sich der Mensch als freies Individuum verwirklichen kann. Dabei geht es insbesondere um die sinnstiftende Funktion der Arbeit, aber auch um Werte wie Freiheit und Selbstständigkeit. Diese Anforderungen lassen sich durch eine bestimmte Architektur fördern, sodass neue Potenziale freigesetzt werden können.

Eine ansprechende Architektur ist dabei eben sehr wichtig: „Architektur wird völlig unterschätzt, insbesondere in ihrer Kontraproduktivität“, sagt Dr. Christian Scholz, Professor für Organisation, Personal- und Informationsmanagement an der Universität des Saarlandes. Es werden Räume für Meetings, Rückzug, Konzentration, Teamarbeit und Kommunikation benötigt – und diese Räume müssen entsprechend ihrer Funktion und ästhetisch anspruchsvoll zugleich gestaltet werden. Es ist die Aufgabe des Beraters und Planers, diese anspruchsvollen architektonischen Lösungen herzustellen, und zwar ganzheitlich: von der Planung der Räume über die Herstellung der Möbel und dem Innendesign bis hin zur technischen Umsetzung der gesamten Elektrik und Lichtplanung.Übrigens: Ein New Work-Großprojekt ist die Google-Zentrale Googleplex in Mountain View, Kalifornien. Der Internetkonzern hat damit eine bunte Arbeitslandschaft geschaffen, die die Kreativität fördern soll. Einen Eindruck dazu gibt es bei den Designern und Architekten Heatherwick Studio, die gemeinsam mit der Bjarne Ingels Group für das Design des Google-Campus zuständig waren: www.heatherwick.com/project/google-mountainview

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